
Digitaler Befehl
Überblick
Deutschlands erstes Cloud-basiertes System im Eisenbahnbetrieb. Der „Digitale Befehl" ersetzt papiergebundene betriebliche Prozesse im Schienenverkehr durch eine moderne, echtzeitfähige Web-Applikation — und erfüllt dabei die strengsten Safety-Standards der Branche.
Ich bin seit 2023 über die BVU Beratergruppe Verkehr + Umwelt im Projekt tätig, das für die DB InfraGO AG entwickelt wird. Es ist ein Pionierprojekt: Zum ersten Mal wird eine sicherheitskritische Anwendung im deutschen Eisenbahnbetrieb vollständig in der Cloud betrieben — und ich habe es von Anfang an mit aufgebaut, als es noch nur ein Konzept war.
Die Herausforderung
Im deutschen Schienenverkehr werden betriebliche Befehle — Anweisungen an Triebfahrzeugführer bei Abweichungen vom Regelbetrieb — traditionell auf Papier erteilt. Ein Prozess, der fehleranfällig, schwer nachvollziehbar und nicht echtzeitfähig ist.
Die Digitalisierung dieses Prozesses bringt besondere Anforderungen mit sich: Die Eisenbahn-Branche unterliegt strengen Sicherheitsnormen. CENELEC und DIN EN 50716 definieren, wie Software für sicherheitskritische Systeme entwickelt, getestet und dokumentiert werden muss. Cloud-Infrastruktur war in diesem Kontext bisher unbekanntes Terrain.
Die Herausforderung bestand darin, eine moderne Cloud-Architektur zu realisieren, die gleichzeitig den hohen Compliance-Anforderungen der Branche standhält — ohne die Agilität und Geschwindigkeit moderner Softwareentwicklung zu opfern.
Die Lösung
Die Plattform basiert auf einer Microservice-Architektur auf AWS. Das Frontend ist eine React-Applikation mit TypeScript, das Backend nutzt Kotlin mit dem Quarkus-Framework. Die Services kommunizieren über definierte APIs und sind unabhängig voneinander deploybar.
Architektur-Highlights
- Cloud-Native auf AWS: Vollständig cloud-basierte Infrastruktur — ein Novum im deutschen Schienenverkehr
- React + TypeScript Frontend: Moderne, typsichere UI für komplexe betriebliche Workflows
- Kotlin + Quarkus Backend: Performante, JVM-basierte Microservices mit niedrigem Ressourcenverbrauch
- Safety-Compliance: Entwicklungsprozesse gemäß CENELEC / DIN EN 50716
Mein Beitrag
Ich bin seit 2023 für die BVU Beratergruppe Verkehr + Umwelt im Projekt tätig und habe es von der Konzeptphase an mit aufgebaut. Als das Projekt startete, gab es nur eine Idee und ein leeres Repository — heute ist es ein produktives System mit mehreren Scrum-Teams.
Meine Rolle hat sich dabei organisch vom Full-Stack Engineer zum Technical Product Owner entwickelt. Ich habe das Entwicklungsteam mit aufgebaut, Strukturen und Prozesse etabliert und die technischen Abläufe zur Einhaltung der Safety-Normen (CENELEC / DIN EN 50716) definiert. Heute verbinde ich technische Umsetzung mit Produktverantwortung: Architektur-Entscheidungen, Backlog-Refinements, Sprint-Planung und die Koordination mehrerer Teams.
Ein besonderer Fokus liegt auf Mentoring. Ich unterstütze Teammitglieder bei der Einarbeitung in den Stack, führe Code-Reviews durch und sorge dafür, dass Qualitätsstandards und Best Practices im gesamten Team gelebt werden.
Technologien
Die Technologie-Entscheidungen wurden gezielt auf die Anforderungen des Projekts zugeschnitten: hohe Verfügbarkeit, Safety-Compliance und langfristige Wartbarkeit.